Geschichte
Fasnat
Fraxner sind "MUASSCHLOAPFER"
Die Fraxner Fasnat-Geschichte leitet sich, entgegen allgemeiner Vermutungen, nicht von den Kriasi ab.

Ausgerechnet das "Land der süßen Kirschen", wie P. Isidor Hopfner das "Kriasidorf" eimal bezeichnete, hat keinen Übernamen, der auf seine Kirschen hindeutet!

 

Dabei hätten sich Bezeichnungen wie "Kriasibicker", "Kriasihögga" und vor allem "Kriasistinker" ja geradezu angeboten, doch mit den drei erwähnten Spötteleien sind die Bewohner anderer Ortschaften gemeint.

 

Nein, "Muasschloapfer", so mussten sich die Fraxner nennen lassen. Der Übername komme von den Ebnitern; als Nachbarn der Kugel- und der Schneewaldalpe hätten sie ihn sich ausgedacht; nicht ohne Grund, wie wir gleich hören werden:

 

Den Vorarlbergern wird allgemein große Sparsamkeit nachgesagt, und die Fraxner hätten es darin geradezu zur Meisterschaft gebracht, hieß es oft. Wenn sie zum Beispiel im Herbst von den Alpen gezogen seien und beim letzten Früstück etwas vom Mus übrig geblieben sei, hätten sie dieses stets mit heimgenommen. Ein derartiger Alpabzug war natürlich immer ein großes Ereignis, und auch im eigenen Heimatdorf entging wohl kaum jemandem, was alles im so genannten "Plunder", dem Hausrat der Alphütten, mitgeführt wurde. Vom gelegentlich mitgenommenen "Abschieds-Muas" bekam man im Normalfall aber wohl kaum etwas zu sehen. Einmal aber seien die heimziehenden Älpler gerade in der Nähe des Dorfes angelangt, da sei ihnen dummerweise ausgerechnet der Wagen mit dem Hausrat umgekippt. Sorgsam hätten sie alles wieder aufgeladen, auch das "Muas" sei nicht vergessen worden. Sie hätten es sauber zusammengekratzt, und die Stelle, an der es passiert sei, heiße deswegen heute noch der "Leack". Unwillkürlich wird man dabei vielleicht an Aufschlecken denken, aber so weit werden die Älpler sicher nicht gegangen sein! Ob auch "Ämliger", also Ebniter, unter den Zuschauern gewesen waren oder ob sie auf andere Weise davon gehört hatten, ist nicht bekannt und spielte im Nachhinein natürlich keine Rolle. Irgendwie müssten sie davon erfahren haben, wird vermutet, und so sei eben der Übername entstanden.

 

Ganz ohne Kirschen - einmal abgesehen von denen auf ihren zahlreichen Bäumen - wollten die Fraxner natürlich auch nicht sein - und so sorgten sie wenigstens bei der Verleihung des Gemeindewappens im Jahre 1969 dafür, dass darin ein Kirschzweig mit drei Kriasi zu sehen war - und natürlich nach wie vor ist. Und um die "Muasschloapfer" ein wenig darüber hinwegzutrösten, dass ihre Nachbarn sie nicht mit einer entsprechenden Bezeichnung bedacht haben, soll auch noch an einem Beispiel verdeutlicht werden, wie weitum ihre Kriasi einen Begriff darstellen: Der Dornbirner Armin Diem lässt in einem seiner Gedichte einen "Stubat-Buob" vom "Kättorle"- seinem Kathrinchen - schwärmen, und neben anderen Vorzügen erwähnt dieser, sie habe Öugle as wia Fraxnar-Kriose. Hoffentlich hielt die Sache dann auch, was sie versprach, und es wurde nicht das daraus, was in einem geflügelten Wort so umschrieben wurde: Wenn zwoa anand da Buggel kehren, denn hoaßt as "d'Fraxner Liebi".

 

Der Volksmund weiß sogar zu berichten, in Fraxern würden die schönen Mädchen auf den Bäumen wachsen. In Wirklichkeit sind sie dort neben vielen anderen Pflückerinnen und Pflückern eifrig beim "Kriasigwinna" dabei; besonders die "Große Schwarze", eine veredelte Wildkirsche, gilt als typische Spezialität. Vermutlich gibt es auch keine andere Gemeinde in unserem Land, in der alle Einwohner schwindelfrei sind, genauer gesagt, schwindelfrei sein müssen. Es ist dies wohl eine Grundvoraussetzung, wenn man hört, beim Pflücken würden bis zu vierzehn Meter lange Holzleitern verwendet. Und um noch eine weitere beeindruckende Zahl anzuführen: Eine durchschnittliche Ernte bringt von den rund 2000 Bäumen hier heroben rund 45 Tonnen, das sind mehr als fünf Millionen (!) Kriasi.

 

- Übrigens, der Fasnat-Ruf der Fraxner lautet dennoch "Kriasi-Kriasi ... Stinker-Stinker". Trotzdem oder gerade deswegen? -

Wappen Fraxern